#3: Ist es okay, kein Kind zu bekommen? (Teil 3)

Die meisten würden vermutlich spontan antworten „Muss doch jeder für sich selber wissen!“ Leider spiegelt sich diese Antwort im Verhalten der Gesellschaft meines Erachtens nicht so oft wider. Wille und Fähigkeit zur Reproduktion scheinen unterschwellig vorausgesetzt zu werden und das kann einen ebenso unterschwelligen, aber enormen Druck auslösen.

Teil 3: Die Kinderfrage bei der Hochzeit

Ach, heiraten! Heiraten macht Spaß. Wenn man jemanden zum Heiraten hat, der daran auch Freude hat. Und der zufällig die gleiche Vorstellung davon hat, wie geheiratet werden will. Schließlich ist die Bandbreite der Hochzeiten, vom Gang zu zweit in Jeans zum Standesamt bis hin zur Feier für mehrere Zehntausend Euro mit hundert und mehr Gästen, fast unendlich.

Die Fragen und Aussagen, die man auf einer Hochzeit hört, sind dagegen… nicht ganz so vielseitig.
Ist man Gast, 25+ und dann auch noch liiert, dann ist eine Frage sicher: „Und, wann seid Ihr dran?“ (Zunächst mit Heiraten, versteht sich. Nervt aber genauso wie die Kinderfrage und setzt mindestens einen der beiden unter Druck, wenn die Hochzeit nicht zufällig schon in Planung ist.)

Ist man 35+ und Single, dann bekommt man eventuell keine Fragen, weil man mit steigender Wahrscheinlichkeit gar nicht da ist. Ich kennen inzwischen einige Singles, die keine Lust mehr haben, auf Hochzeiten zu gehen – nicht, weil sie nicht das Paar feiern wollen würden, sondern weil sie auf die ganzen Begleiterscheinungen (vom Singletisch bis hin zum mitleidigen „Ach, der/ die Richtige kommt schon!“) genug haben.

Worum geht es denn bei einer Hochzeit?

Nach meinem Verständnis geht es vor allem doch um zwei Menschen, die sich entschieden haben, ihr Leben miteinander zu verbringen und diese Entscheidung mit einer Auswahl von anderen Menschen teilen wollen. Einmal habe ich z.B. die Erklärung gehört „Das Fest machen wir eigentlich für unsere Freunde, damit unsere jeweiligen Freundeskreise sich besser kennenlernen können!“

Was auch immer der individuelle Antrieb des Paares zur Feier ist, eines ist sicher: Zum Heiraten an sich braucht es nur zwei die es wollen und einen, der es möglich macht. Das ist, je nachdem, z.B. der oder die Standesbeamt*in oder Pfarrer*in. Alle anderen sind „extra“ und für die Eheschließlung an sich nicht zwangsläufig erforderlich.

Eine Hochzeit ist eine Momentaufnahme

Eine Hochzeit ist auch eine Momentaufnahme. Sie findet im Hier und Jetzt statt, mit Menschen, die das Leben bis jetzt begleitet haben. Von einigen davon trennen sich später die Lebenswege, das kann man zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen. Genauso wenig kann man wissen, welchen Menschen man später noch begegnen wird.

Kommen wir zum Repertoire der Fragen und Aussagen, die dem Hochzeitspaar gelten. „Wäre es schön, wenn die Ehe durch Kind(er) „gekrönt“ würde“. „Ihr seid ein tolles Paar, ihr werdet tolle Eltern!“ „Denkt ihr schon über Kinder nach?“ Und es gibt sooooo viele mehr…

Meine Devise ist: an diesem Tag muss ich mich insbesondere nicht um Menschen kümmern, die es noch gar nicht gibt. Die es vielleicht nicht geben kann oder in dieser Familie nicht geben soll. Im besten Fall liegt dies allein im Entscheidungsrahmen des zukünftigen Ehepaares, im schlechtesten Fall wird es eine dicke Akte beim Arzt, die eventuell irgendwann erfolglos geschlossen wird.

Wenn ich Wünsche ausspreche, dann überlege ich mir, wie nahe ich dem Paar bin. Und wenn ich ihnen nicht so nahe bin, dass ich ihre Wünsche und Situation kenne, dann werde ich keine Wünsche bezüglich des Nachwuchses aussprechen. Vor allem keine, die auf eigenen Wünschen beruhen (dabei denke ich insbesondere an alle enkelwütigen Eltern von Brautleuten. Tanten, Onkel, Mitglieder der Festgesellschaft mit ein- oder mehrfachem Nachwuchs: Ich weiß, alle meinen es nur gut!)! Warum die Wünsche nicht „empfängergerecht“ verpacken: Ich kann ihnen genau die Ehe wünschen, die sie sich wünschen. Das sie alles zusammen erleben können, was sie erleben wollen. Dann können sie selber entscheiden, was das für sie heißt. Vielleicht weiß ich auch, daß sie auf Haussuche sind, dann kann ich Ihnen wünschen, daß sie ihr Traumhaus bald finden. Und natürlich kann ich auch damit aus verschiedensten Gründen im Fettnäpfchen landen, das kann immer passieren, aber die Wahrscheinlichkeit, ihnen damit zu nahe zu treten, ist geringer.

Wie gesagt, das ist allgemein. Die richtig guten Wünsche sind meiner Meinung nach äußerst individuell maßzuschneidern, was nur in Abhängigkeit der Tiefe der Beziehung zum Hochzeitspaar möglich ist.

Manchmal habe ich das Gefühl, mit meinem Ansatz recht alleine zu sein: Warum sich nicht einfach zu 100% für das Ehepaar freuen? Reicht es nicht, erst einmal die beiden Hauptpersonen zu feiern, hochleben zu lassen und zu beglückwünschen? Natürlich kann es sein, daß sie sich Kinder zu ihrem Glück wünschen, aber vielleicht eben auch nicht. Vielleicht versuchen sie auch schon eine ganze Weile eine ganze Menge, aber es hat noch nicht geklappt und jede Nachfrage, jeder Kommentar in dieser Hinsicht ist einfach nur ein schmerzhafter Stich in eine offene Wunde.

So oder so: Ca. ein Drittel der Ehen werden heutzutage nach einer durchschnittlichen Dauer von ca. 14,8 Jahren wieder geschieden. Um zu den zwei Dritteln zu gehören, die es schaffen – im Idealfall sogar glücklich – verheiratet zu bleiben, fallen mir spontan ein paar weitere, allgemeine Dinge ein, die man wünschen kann, damit die Ehe gelingt – was auch eine geeignete Basis dafür wäre, gute Eltern zu sein, wenn sie das möchten, oder?! Ist schließlich auch für Kinder kein Spaß, wenn Eltern sich trennen (wobei es in manchen Fällen natürlich der bessere Weg sein kann).

  • Dass der gegenseitige Respekt erhalten bleibt. Das sie sich weiter zuhören, auch, wenn sie irgendwann glauben, den anderen zu kennen – schließlich entwickeln sich Menschen weiter, das macht vor der Ehe nicht halt und es wäre schön, wenn sie sich nicht mangels Gesprächen auseinanderleben.
  • Weiterhin ist es charmant, wenn die „kleinen Macken“, die am Anfang der Beziehung vielleicht noch als liebenswürdig durchgehen, nicht irgendwann als Störfaktor wahrgenommen werden.

Zu guter Letzt: Was kann das Hochzeitspaar in Vorbereitung des Festes tun?

In Hinblick auf das Kinderthema aus meiner Sicht leider nicht so viel… Es lässt sich auf einer Hochzeit kaum verhindern – zumindest bis zu einem bestimmten Alter ;-).

Eventuell hilft es…

…Ansagen zu machen. Es ist ihr Tag und sie können sich wünschen, was sie wollen.

… sich auf sich zu konzentrieren, sich Dinge versprechen, an die sie sich halten wollen.

… sich einfach selber zu feiern!!!

Und: Auf Durchzug schalten, wenn doch Wünsche ausgesprochen werden, die sie gerade nicht hören wollen!

Ich wünsche allen, die heiraten, ein zauberhaftes Fest und eine erfüllte und erfüllende Ehe!

Viele Grüße,

Mira

P.s.
Wir haben uns damals gewünscht „Keine Kinder in der Kirche!“. Wir haben Erzieherinnen engagiert, die die anwesenden Kinder während der Trauung betreut haben. Dadurch gab es kein Geschrei und man konnte verstehen, was gesagt wird. Dafür haben wir in Kauf genommen, daß eine Freundin nicht zur Hochzeit gekommen ist, weil sie ihr Kind nicht der Babysitterin anvertrauen wollte. Ihre Entscheidung, völlig in Ordnung.

Und noch etwas habe ich mir von den Gästen gewünscht: Es hat damals bereits zwei oder drei Wochen am Stück geregnet, ich wollte, dass niemand ein Kommentar zum Wetter machen solle, egal, wie es wird. Im Falle von Regen hätte ich bei der Gratulation nicht 25 Mal in Folge hören wollen „Ach wie schade! Ihr Ärmsten! Ausgerechnet zu eurer Hochzeit!“. Was soll ich sagen: es hat geklappt! Bis heute kann ich mich freuen, an einem zauberhaften Sommersonnentag, den alle genossen haben ohne es vor mir zu kommentieren, geheiratet zu haben!



Bildquelle: Canva

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